BI ZELLER HAMM

BI ‚Erhalt der Kulturlandschaft Zeller Hamm‘ e. V.

Der Vorstand der Bürgerinitiative weist darauf hin, dass sich das Projekt ‚Residenz Marina Weingarten‘ entgegen der Auffassung vieler Bürger noch in der Planungs- und Genehmigungsphase befindet und die Realisierung damit keinesfalls gesichert ist.

Die von der Projektgesellschaft getroffene Aussage, dass 5 Grundstückseigentümer bisher nicht verkaufsbereit seien, entspricht nicht den Tatsachen. Richtig ist, dass über 30 Weinbergsflächen im Planungsgebiet nicht zum Verkauf stehen! Hier wird bewusst der falsche Eindruck erweckt, als sei der Grunderwerb schon „in trockenen Tüchern“ und es stehe der Realisierung quasi nichts mehr im Wege.

Hinzu kommt, dass für die notwendige ordentliche Erschließung des Ferienparks noch sehr viele Grundstücke angeschnitten werden müssen. Davon wissen deren Besitzer heute allerdings noch nichts.

Für die tauschbereiten Winzer stehen außerdem zwar laut Aussage des Investors ausreichend Tauschflächen zur Verfügung, viele davon entsprechen jedoch von der Lage oder den Bewirtschaftungsmöglichkeiten nicht den Vorstellungen der betroffenen Winzer. Auch hier steht der Investor vor einem nicht zu vernachlässigenden Problem: Sämtlichen individuellen „Tauschwünschen“ aller betroffenen Winzer zu entsprechen ist fast unmöglich. Auch was diesen Punkt betrifft zeigt man sich überoptimistisch und bagatellisiert die Problematik nach dem Motto: „Einfach weiter machen. Alles ist möglich—die Marina kommt definitiv! Es gibt für alles eine Lösung!“ Dem ist eben nicht so!

Des Weiteren endet zum 31.12.2011 die Bindungsfrist der bereits geschlossenen Optionskaufverträge. Bei entsprechender Kündigung der Verträge können die Grundstückseigentümer danach wieder frei über ihre Grundstücke verfügen!

Da die Grundstücksfrage entscheidend für das Projekt ‚Marina Weingarten‘ ist, erscheint es mehr als fraglich, ob das Projekt unter diesen Umständen überhaupt realisiert werden kann.

Angesichts dieser Situation fühlen sich nicht verkaufsbereite Grundstückseigentümer von involvierten Stellen durch Anrufe und Fristsetzungen unter Druck gesetzt. Ein nicht zumutbares Vorgehen! Die Entscheidung, ob ein Eigentümer sein Land veräußern möchte, sollte dem Eigentümer frei überlassen bleiben. Es gibt viele gute Gründe, dieses gut bebaubare Weinbergsland in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht zu verkaufen.

Ein Eigentümer, der nicht verkaufen möchte, sollte deshalb nicht pauschal als „Marina-Gegner“ diffamiert werden.

Auch werden im Planungsgelände Vermessungsarbeiten durchgeführt, was den Anschein eines Fortschritts des Projektes erwecken könnte. Dies ist jedoch nicht wirklich der Fall.

Ein weiterer Hinweis:
Nach Abschluss des zur Zeit laufenden Raumordnungs- und des Zielabweichungsverfahrens wird das Bauleitverfahren eingeleitet. In diesem öffentlichen Verfahren besteht für die Bürger die Möglichkeit, rechtswirksame Einsprüche gegen das Projekt einzulegen, um den nachfolgenden Generationen und dem Moseltourismus diese einmalige Kulturlandschaft zu erhalten.

Zur Zeit gibt es im Umkreis von 15 km um Zell bereits 2 Ferienparks, bei Traben-Trarbach und bei Ediger-Eller. Neben Marina Weingarten Zell sind noch Ferienparks bei Bad Bertrich-Falkenlay, Grenderich (bis zu 1000 Häuser) und Zeltingen-Rachtig Machern (342 Häuser) geplant. Heute gibt es rund 600 Ferienpark-Häuser rund um Zell, bald sollen es viermal so viele sein.

Das bedeutet 2 Mio. weitere Übernachtungen für die Mittelmosel. Damit müssen wir auch mit 0.5 bis 1 Million Fahrzeugen mehr pro Jahr auf unseren Straßen rechnen (zunehmende CO2 Belastung). Wie soll die Region das verkraften?

Gezeichnet von Athina Köhling

Man wehrt sich – zum Glück!

Verblüffend ist es eigentlich gar nicht, dass holländische Investoren sich unseren Kreis heraussuchen, wenn es darum geht, ihn mit Ferienparks „vollzustopfen“. Es wäre besser zu sagen „Wen wundert’s eigentlich?“, ist doch unser Kreis landschaftlich ganz besonders ansprechend. Das Potential dieses Landkreises ist sicher nicht auf jeder Ebene erschöpft. Hier sollte jedoch ganz klar differenziert werden, welche Art der Entwicklung Cochem-Zell wirklich weiter bringen würde. Wenn man es „geistige Weite“ nennt, dass sich holländische Investoren hier mit Mammutprojekten eine goldene Nase verdienen wollen, dann ist diese Sichtweise doch sehr stark eingeschränkt. Wenn man riesige Ferienparks als Fortschritt für unsere Region verkauft, dann bleibt zu überdenken, ob Fortschritt, der Zerstörung bedeutet und sich mit jedem Verlust abfindet, tatsächlich Fortschritt ist. In der Enge des Moseltales wird Klein gedacht, ja, das stimmt in der Tat. Trifft es doch so unbeschreiblich gut auf unsere Lokalpolitiker zu, die für Cochem-Zell keine andere Lösung finden, als es niederländischen Geschäftsleuten zum Fraß vorzuwerfen. Wozu geben Landesentwicklungsprogramme und andere Projekte und Programme (z. B. Raum plus 2010) gut durchdachte Leitlinien heraus? Um sie zu ignorieren und Ferienparks als „große Würfe“ zu deklarieren? Innenentwicklung sollte vor Außenentwicklung gehen, Bestandssanierung und Belebung der Innenstädte sind auch ohne maßlose Parkprojekte realisierbar. Zweifellos ist dieser Weg für unsere Kommunen mühsamer, aber in jedem Fall richtig und zukunftsweisend. Sind alle anderen Möglichkeiten diesen herrlichen Kreis wirklich voranzubringen restlos erschöpft? Mit Sicherheit nicht. Steigerung des „Incoming-Tourismus“ kann und muss anders erreicht werden, auch hier gibt es richtungsweisende Strategien (Tourismusstrategie 2015). Da geht man stattdessen aber hin und greift sich als ultima ratio ausgerechnet Ferienparks! Eine „Symbiose“ zwischen dem Erhalt unserer einmaligen, tourismusfördernden Kulturlandschaft und diesen Ferienparks ist höchstens als geistiges Konstrukt möglich, in der Praxis ist eine solche gegenseitige Wertschöpfung definitiv nicht machbar. „Will und kann man sich noch wehren gegen den Willen, Urlauber nach Cochem-Zell zu bringen?“ Das tut kein vernünftiger Mensch. Die entscheidende Frage ist doch das WIE. Durch monumentale Großprojekte, die jeder Form des sanften Tourismus widersprechen? Dagegen wehrt man sich – zum Glück!!!
Vorstand der Bürgerinitiative „Erhalt der Kulturlandschaft Zeller Hamm“ e. V.         www.bi-zellerhamm.de

Das geht alle Bürger der Region an!

Wer behauptet, eine Marina mit Ferienpark würde unserer Region wirtschaftliche Vorteile bringen, denkt in die falsche Richtung. Im folgenden erfahren Sie, welche Gefahren und Kosten auf uns als Bürger zukommen:

  • die Zerstörung der Tourismus fördernden Kulturlandschaft im Zeller Hamm, eines Naherholungs- und Wandergebietes von unschätzbarem Wert
  • Wegfall von über 30 ha maschinell gut zu bewirtschaftender Weinbaufläche
  • ca. 250 neu gebaute Ferienhäuser führen zu einem Überangebot und somit zu einem Preisverfall für bestehende Ferienwohnungen (siehe Preisverfall Ediger-Eller und Nürburgring)
  • die größte touristische Zielgruppe in Rheinland Pfalz ist auf der Suche nach Natur, Landschaft, Wellness und Ruhe. Die starke Zunahme an Straßen– und Bootsverkehr mit allen weiteren Nachteilen wie z.B. Lärm durch den geplanten Ferienpark würde zu einem Verlust dieser Touristen führen (siehe Tourismusstrategie 2015 erstellt vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau)
  • in einem Umkreis von 15 km von Zell sind zu 2 bestehenden Ferienparks noch 4 weitere geplant mit in Summe 2 Millionen Übernachtungen pro Jahr, was zu einem infrastrukturellem Desaster für die Region Zell führen würde (2 Mio. Übernachtungen in der Region Zell würden 1/3 des gesamten Moseltourismus entsprechen!)
  • bisher ist nicht klar, in welchem Maße die Bürger für die enormen Erschließungskosten außerhalb des Ferienparks aufkommen müssen (Kosten für den nötigen Ausbau von Wasser- und Abwasserversorgung, Straßen, Neuanlage von Wirtschaftswegen, Kläranlage etc.)
  • allen bekannten Studien zufolge soll im Hinblick auf die sinkenden Bevölkerungszahlen der Innenentwicklung der Städte absoluter Vorrang eingeräumt werden, da sonst die Folgekosten für die Städte zu fast unlösbaren finanziellen Problemen führen. Deshalb muss in die Attraktivität der Innenstadt von Zell investiert werden

Von den Befürwortern genannte Vorteile des Projektes für Zell und die Fakten:

Steuereinnahmen fallen bei Ferienparks in der Regel keine oder nur in geringem Maße an. Ferienparkbesucher sind meist Selbstversorger. Statistiken über Ferienparks zeigen, dass der Hauptteil der Einnahmen des Primärbedarfes (Lebensmittel etc.) und Restaurantbesuche im Ferienpark bleibt und nur vereinzelt Gäste außerhalb Kleidung, Souvenirs oder Geschenke kaufen. Sollte es im Park selbst tatsächlich keine Einkaufsmöglichkeit geben, werden die Gäste in den großen Einkaufszentren, aber nicht in der Stadt Zell einkaufen. Arbeitsplätze entstehen ausschließlich im Niedriglohnsektor.

Zusammenfassung:

Die zu erwartenden wirtschaftlichen Nachteile für die Region Zell überwiegen bei Weitem die Vorteile. Die Wertschöpfung des Ferienparkprojektes liegt fast ausschließlich beim Investor und nicht bei der Bevölkerung. Die Zeller Ferienwohnungsbesitzer und Hoteliers werden mit erheblichen Einbußen rechnen müssen und alle Bürger werden über die Abgaben zwangsläufig an den Erschließungskosten beteiligt.
Gewinner wird in Zukunft diejenige Gemeinde sein, die auf qualitatives Wachstum setzt, die bestehende Infrastruktur verbessert und mit vielen kleinen Projekten die Gemeinde/Stadt als Urlaubsziel attraktiv und stark macht. Deshalb muss das Projekt „Marina Weingarten“ verhindert werden. www.bi-zellerhamm.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.