Wolfgang Palm (Mitglied im Migrationsbeirat)
„D i e Flüchtlingshilfe“ als organisierte Form und eine „Willkommenskultur“ sind weitestgehend im Landkreis Cochem-Zell verschwunden. Flaggschiff ist seit mehr als 10 Jahren das Café International in Cochem, das wöchentlich in den Räumen der Evangelischen Kirchengemeinde montags von 16-18 Uhr stattfindet. Dieses Angebot wurde im April 2025 in der VG Kaisersesch eingestellt, weil dafür angeblich kein Bedarf mehr vorhanden sei bzw. es nicht angenommen würde. Die Initiative „von Mensch zu Mensch“ ringt manchmal und verhalten um das Weiterleben. In der VG Ulmen ist mit dem Ausscheiden von Karl Eckhardt die prägende Person von der Bühne abgetreten – ohne Nachfolger*in.
Die Konstituierung des Beirates Migration in Cochem-Zell bedeutet in meinen Augen eine institutionalisierte Möglichkeit konstruktiv Flüchtlingshilfe zu unterstützen, die Interessen von Migrant*innen wahrzunehmen und einen Beitrag zum Zusammenleben zu leisten. Nach drei Sitzungen in diesem Jahr sind Entwicklungen nötig, um aus dem beginnenden Austausch von Informationen in lebendige Begegnungen zu kommen und eine Einbindung in die öffentliche Meinung zu erreichen. Ob diesem Gremium zum Beispiel ein „Integrationskonzept für den Landkreis Cochem-Zell“ gelingt, wie es 2010 unter Landrat Huwer erarbeitet wurde, und danach notwendige Schritte aktiv in die Wege geleitet, kontinuierlich geprüft, fortgeschrieben und mitgestaltet werden, muss sich zeigen.
Mein Engagement für ein gutes Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen begann mit der Gründung eines Freundeskreises für Aussiedler*innen aus den GUS und anderen Staaten im Jahr 1998, mein persönlicher Schwerpunkt wechselte 2011 zu Flüchtlingen mit fortlaufender Sprachförderung (in Anlehnung an die VHS), Kontakten und Begegnungen sowie Begleitung.
Seit 2022 ist die Ukraine mein Schwerpunkt, zumal ich dieses Land 2010 und 2019 für jeweils zwei Wochen touristisch mit dem Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln besuchte, und es mir so vielfältig nahegekommen ist. Nach vergeblichen Versuchen der Grünen Fraktion im VG-Rat in Kaisersesch von 2022 bis 2024, eine Kommunale Partnerschaft mit der Ukraine in Gang zu setzen, obwohl der Bürgermeister einer ukrainischen Kommune diese sehr begrüßte, drängte es mich zu persönlichen Eindrücken und Begegnungen vor Ort. Als Ziel der Busreise im August 2025 mit einem ukrainischen Unternehmen ab Koblenz und einer über Booking reservierten Unterkunft wählte ich eine Stadt im Südwesten, die wie kaum eine andere im Osten Europas für deutschsprachige Literatur- und Kulturgeschichte und für das Zusammenleben verschiedener Völker und Religionen steht: Chernivtsi (ukr.), ehemals Czernowitz (dt.) und Cernăuti (rum.). Eine aktive Gemeinschaft im Haus der Deutschen war meine erste Anlaufstelle bereits während der Reisevorbereitungen, die Leiterin des Kulturzentrums „Gedankendach“ an der Universität eine weitere. Für mich haben Begegnungen Priorität beim Themenkomplex Integration, und sie bedeuten Friedensdienst ohne (militärische) Waffen. Entsprechend dem Text zum 4. Adventssonntag im Kalender „der Andere Advent“: „Wenn ihr einander kennt und miteinander sprecht, dann werdet ihr Frieden haben.“ Das heißt gelebte und erlebte Präsenz, Solidarität und Unterstützung im Hier und Jetzt. Wie bei der Ukrainehilfe e.V. in Cochem oder seit Ende Dezember bei Active Commons e.V. Damit sind Wege in eine offene(re) und bunte(re) Gesellschaft möglich, dezentral vor Ort, in größeren Zusammenhängen und zum Aufbau eines gesunden, weil demokratischen und deutlich(er) souveränen Europa. Das deckt sich mit dem Programm der Grünen – auch für den Wahlkampf 2026 in Rheinland-Pfalz.
